Schwaben und Altbayern

Die Bajuwaren sind kein einheitliches Ethnikum gewesen, unter den zahlreichen Stämmen, die in der Endphase der römischen Herrschaft in den Provinzen Noricum und Raetien eine Rolle spielten, tauchten sie nicht auf. Der Name der Bajuwaren ist nicht ethnisch bestimmt, sondern territorial, und auch wenn sich über das Herrkunftsland keine allerletzte Sicherheit gewinnen läßt, so scheint mir doch aufgrund der philologischen, archäologischen und historischen Gegebenheiten des Baiaheim des böhmischen Kessels noch am meisten Wahrscheinlichkeit zu besitzen. Ethnisch waren die hier wohnenden Germanen offenbar so wenig einheitlich, daß sie nicht den Namen eines Stammes, sondern den Namen eines Wohngebietes mitbrachten.

Kurt Reindel




Frühgeschichte
5. Jh. v. Chr. Gebiet des heutigen Bayern von Kelten bewohnt
(Ursprung vieler Orts- und Flußnamen wie Isar und Amper)

15 v. Chr. Feldzug des Stiefsöhne Drusus und Tiberius des römischen Kaisers Augustus mit dem Ziel, das römische Reich gegen Norden abzusichern, damit Ende der Keltenherrschaft in den südlichen Regionen des heutigen Bayern.
Die eroberten Gebiete werden den Provinzen Noricum und Raetien zugeordnet
Unter römischer Herrschaft erfolgt eine enge strukturelle Anbindung an Norditalien; viele Städte wie Regensburg, Passau oder Augsburg gehen auf römische Grenzgarnisonen zurück.

5. Jh. Im Rahmen der Völkerwanderung werden die Römer gezwungen, die Provinz Raetien aufzugeben.
Nunmehr erfolgt hier die Stammesbildung der "Baiuvarii", welche erstmals 551 urkundlich erwähnt werden; ab dem Jahre 565 werden sie auch "Baiern" genannt.
(baiuwarischer Urprung von Siedlungen, deren Name auf -ing endet; Walchen-Orte wie Traunwalchen deuten auf eine Siedlung vorwiegend romanischen (welschen) Ursprungs hin)
Charakteristisch für diese Epoche sind ausgedehnte Felder mit Reihengräbern, so z.B. das von Altenerding.


Frühes Mittelalter
Regentschaft der Agilofinger (fränkisches Herzogtum) über die Bajuwaren. Garibald I. residiert in Regensburg
Das baierische Stammesherzogtum kann eine relative Autonomie entwickeln. Mit dem "Lex Baivariorum" entsteht eine eigene Rechtsprechung.

738 Unter den Agilofingern beginnt die Christianisierung des Bajuwaren.
738 erhält Bayern durch Herzog Odilo von Bayern eine feste Bistumsorganisation (Regensburg, Passau, Freising, Salzburg)
Vom Adel gestiftete Klöster (u.a. Herrenchiemsee, Frauenchiemsee, Schliersee, Tegernsee und Benediktbeuren) werden mit Grundbesitz ausgestattet und entwickeln sich zu bedeutenden Kulturzentren.

788 Tassilo III. wird als letzter Agilofinger von Kaiser Karl dem Großen abgesetzt, das Recht auf Selbstständigkeit erlischt. Bayern wird als Provinz in das Frankenreich integriert.

817 Ludwig der Deutsche (Enkel Karls des Großen) wird zum König der Bayern gekrönt und residiert und Regensburg, das nunmehr zur Hauptstadt des Ostfränkischen Reiches wird.

895 - 947 Durch den Zerfall des Karolingerreiches kommen die Stammesstaaten wieder zur Geltung, Bayern wird durch die Luitpoldinger regiert. 907 beginnen mit dem Tode des Markgrafen Luitpold die Zeiten der Ungarneinfälle, gleichzeitig errichtet Arnulf, der Sohn Luitpolds, das "Jüngere Stammesherzogtum".

947 - 1027 947 verleiht Kaiser Otto I. seinem Bruder Heinrich I. Bayern , Arnulf muß sich seiner Macht beugen, fortan bestimmt Sachsen die Geschicke des Landes.
1002 wird der bayerische Herzog Heinrich IV. als Heinrich II. deutscher König und schließlich 1014 deutscher Kaiser.


Hochmittelalter
1027 - 1070 Herrschendes Geschlecht in Bayern sind die Salier, welche jedoch historisch nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Wesentlich in diesem Zeitraum sind die unter dem Abt von Hirsau, Wilhelm von St. Emmeran, eingeleteten religiösen Reformen nach den Regeln von Gorze-Trier-Regensburg.
Parallel dazu verbreitet sich die Augustinusregel von Passau aus.

1070 - 1180 Welfenzeit
1156 wird Heinrich der Löwe mit Bayern belehnt; die Gründung der Stadt München erfolgt. Dadurch wird die Macht der Bischöfe von Freising starkt beschnitten.
Als sich Heinrich weigert, die Politik Kaiser Friedrich Barbarossas bezüglich Italien zu unterstützen, wird er abgesetzt, Otto V. von Wittelsbach mit Bayern belenht

Schon 1120 erhalten die Wittelsbacher durch Kaiser Heinrich V. die bayerische Pfalzgrafenwürde.
(Die mit Otto V. beginnende Herrschaft dieser Dynastie erstreckt sich über 700 Jahre; erst 1918 wird die Monarchie in Bayern abgeschafft.)


ab 1180

Begünstigt durch das Aussterben anderer Adelsgeschlechter erweitert sich das Territorium der Wittelsbacher erheblich.
Durch die Vermählung Ludwig I. mit der Witwe des Grafen von Bogen geht deren Wappen, die weiß-blaue Raute, in das Wappen der Wittelsbacher ein.
1214 erhält das Haus Wittelsbach mit der Pfalzgrafenschaft zu Rhein die Kurwürde.

1255 Bedingt durch die Tatsache, das der Erstgeborene bei der Verteilung des Territoriums nicht privilegiert wird, kommt es 1255 zur ersten Bayerischen Landesteilung, die Herzogtümer Niederbayern (einschileßlich des Chiemgau) und Oberbayern-München entstehen.

1294 - 1347 Ludwig der Bayer (1294 - 1347) wird der erste deutsche Kaiser aus dem Hause Wittelsbach.
Allerdings ist diese Entscheidung nicht umumstritten. Erst die Schlacht von Mühldorf im Jahre 1322 bringt die Entscheidung, indem Ludwig seinen Gegenspieler, seinen Habsburger Vetter Friedrich den Schönen vernichtend besiegt.
Da jedoch der Papst in Avignon die Entscheidung über die Vergabe des deutschen Kaisertitels für sich beansprucht, wird Ludwig durch die Bannbulle von 1324 exkommuniziert.
Durch geschickte diplomatische Schachzüge gelingt es Ludwig jedoch, sich 1328 in Rom zum Kaiser krönen zu lassen.
Der Hof wird nach München verlegt, fortan geistiges und kulturelles Zentrum des Reiches.
Zur Festigung des wittelsbachischen Staates erläßt er 1336 ein bayerisches Landrecht.

1349 Nach dem Tode Ludwig des Bayern werden die Territorien im Landsberger Vertrag unter den sechs Söhnen des Kaisers verteilt.

1392 Im Rahmen der Dritten Bayerischen Landesverteilung entstehen die Teilherzogtümer Bayern-Landshut (Friedrich der Weise), Bayern-München (Johann II). und Bayern-Ingolstadt (Stephan der III.).
Bedingt durch die Tatsache, daß sich die Ingolstädter Linie bei der Teilung benachteiligt fühlt, folgen die Wittelsbacher Hauskriege.

1504 Herzog Albrecht der Weise von Wittelsbach (1467 - 1508), der erste Humanist auf dem bayerischen Thron,, erläßt nach den Landshuter Erbfolgekriegen das Primogeniturgesetz; der Erstgeborene erhält die alleinige Herrschaft. Dies ist im Folgenden ein Garant für die Einheit des Herzogtums.
Ebenfalls führt er das Staatskirchentum ein, welches sich in den Zeiten der Reformation bewährt. Der Hauptgrund für die Tatsache, das Bayern bis zum heutigen Tag in weiten Teilen dominierend katholisch ist.


Frühe Neuzeit
Dadurch bedingt kann die Reformation in Bayern kaum Fuß fassen.
Einige Wittelsbacher zeichnen sich durch ihr besonderes Engagement für den alten Glauben aus.
So beruft Wilhelm IV. der Standhafte (1493 - 1550) die Jesuiten nach Ingolstadt.
Herzog Albrecht V. (der Großmütige) holt die Jesuiten unmittelbar nach München. (Gleichzeitig beginnt unter ihm die planvolle Kunst- und Kulturpolitik der Wittelsbacher.)
Herzog Wilhelm V. der Fromme setzt das antireformatorische Werk fort. Im Kölner Krieg tritt Bayern unter ihm an die Seite der kaiserlichen katholischen Partei, ein Bruders Wilhelms wird Kölner Kurfürst.
1582 ist die Rekatholisierung Altbayerns abgeschlossen.

Kurfürst Maximilian I. der Große ist einer der weiteren herausragenden Persönlichkeiten dieser Epoche. Zwar ist es auch ihm nicht möglich, Bayern gänzlich aus den Wirren des Dreißigjährigen Krieges herauszuhalten. Zumindest vermag er jedoch durch den Sieg über den Böhmenkönig in der Schlacht vom Weißen Berg, sein Gebiet weitestgehend zu befrieden.
Durch den Schulterschluß mit Kaiser Ferdinand II. in der katholischen Liga gewinnt er 1623 die Kurwürde und erwirbt vom Kaiser die Oberpfalz und die untere Pfalz rechts des Rheines.
Er versteht sich mehr als Vater und Hüter seiner Untertanen denn als Beherrscher. So sorgt nach er nach dem Friedensschluß von 1648 durch Steuerbefreiungen und Unterstützung der aus dem Kriege heimkehrenden Soldaten für einen weiteren Aufschwung seines Landes.


17. Jahrhundert
Kurfürst Ferdinand Maria (1651 - 1679) betreibt weiterhin erfolgreich Friedenspolitik

Kurfürst Max II. Emanuel (1679 - 1726) tritt nach dem gemeinsamen Kampf mit den kaiserlichen Truppen in den Türkenkriegen in den Gegensatz zum Kaisertum. Daraufhin überträgt ihm der spanische König im Jahre 1691 die Statthaltung in den Niederlanden und setzt einen Sohn Max II. als Thronerben des spanischen Reiches ein.
Als Bayern im spanischen Erbfolgekrieg 1701 - 1714 auf Seiten Frankreichs gegen Habsburg kämpft und das bayerisch-französische Heer in der Schlacht von Hochstätt 1704 geschlagen wird, besetzt Osterreich Bayern; Max Emanuel flieht in die Niederlande und kehrt erst nach elfjähriger Verbannung wieder nach München zurück.


18. Jahrhundert
Kurfürst Karl Albrecht (1726 - 1745) nimmt erneut den Kampf gegen Habsburg auf. 1742 wird er von den Kurfürsten des Reiches zum Kaiser gewählt und sieht sich fortan mir der Habsburgerin Maria Theresia konfrontiert, welche ihrerseits Thronansprüche geltend macht.
2 Tage nach Karl Albrechts Krönung marschieren österreichische Truppen in München ein.


19. & 20. Jahrhundert
Vom Königreich zum Freistaat Bayern
Nach dem Aussterben der Linie Neuburg-Sulzbach geht das Erbe auf die Linie Zweibrücken-Birkenfeld über.

Unter der Regierung von Kurfürst Maximilian IV. Joseph (1799 - 1825), seit 1806 König Maximilian I. Joseph, erfährt Bayern große Veränderungen. Mit Hilfe seines Ministers Montgelas schafft er eine moderne Ministerialverfassung; die Landstände verlieren weite Teile ihrer Privilegien, bäuerliche Lehen werden zu bäuerlichem Eigentum.
Im Rahmen der Säkularisation verliert auch die Kirche an materiellen Werten. Die in ihrem Besitz befindlichen Ländereien, fast die Hälfte des anbaufähigen Boden Bayerns, geht in weltlichen Besitz über. Gleichzeitig werden 1803 die Klöster aufgehoben.
Auch werden durch den entsprechenden Reichstagsbeschluß viele geistliche Fürstentümer dem bayerischen Staates zugeschlagen.
Als 1806 Teile des schwäbischen und fränkischen Landes an Bayern abgetreten werden müssen, hat der Staat seine bisherige Größe fast verdoppelt.
Ab 01.01.1806 ist Bayern Königreich.

König Ludwig I. (1825 - 1848) formt Bayern erstmals von einem Agrarstaat zu einem gewerblich orientierten Land um. Seiner Religösität ist die Wiederherstellung vieler Abteien und Priorate zu verdanken, darunter Scheyern und Andechs.
Die seit 1800 in Landshut ansässige Universität wird unter ihm 1826 in die königliche Haupt- und Residenzstadt München verlegt.
Im Revolutionsjahr 1848 verzichtet er zugunsten seines Sohnes Maximallian auf die Krone.

König Max II. (1848 - 1864) war, im Gegensatz zu seinem kunstliebenden Vater, eher ein Freund und Förderer der Wissenschaft.

Dessen Sohn König Ludwig II. (1864 - 1886) tritt nach dem Tode seines Vaters ein schweres Erbe an. Mit Österreich verbündet, wird Bayern 1866 in einen Krieg mit Preußen verwickelt. Nach der Kapitulation muß Ludwig seine Armee unter preußischen Oberbefehl stellen.
1870 setzt Bismarck die Eingliederung Bayerns ind das deutsche Kaiserreich durch.
Der König, sich immer mehr in seine Kunstliebe zurückziehend, wird 1886 wegen "primärer Verrücktheit" entmündigt und stirbt am Pfingstsonntag 1886 unter bis heute ungeklärten Umständen im Starnberger See vor Schloß Berg.

Ludwigs Onkel übernimmt fortan als Prinzregent Luitpold die Regierungsgeschäfte bis 1912.

Ihm folgt 1912 als letzter Wittelbacher auf dem Bayerischen Thron Ludwig II.
Nach Ende des 1. Weltkrieges wird die Bayerische Monarchie als erste in Deutschland gestürzt.

Auch der Nationalsozialismus ging - leider - innerhalb Deutschlands von bayerischem Boden aus. 1923 findet der Marsch zur Feldherrnhalle statt, seit 1935 wird München zur "Hauptstadt der Bewegung" deklariert.
Gottlob dauert der Spuk nur bis zum 08.05.1945, allerdings mit verheerenden Folgen für die Landeshauptstadt München. 45% der gesamten Bausubstanz sind nach 66 z.T. schweren Luftangriffen vernichtet.

Am. 30.04.1945 marschieren Amerikanische Truppen in München ein. Noch im gleichen Jahr wird die Verfassung der Freistaates Bayern ratifiziert.

Heute steht Bayern, ehemals Agrarstaat, in seiner Gesamtheit an führender wirtschaftlicher Position innerhalb Deutschlands.