Eine Ausgabe aus 2003 des

medinfo der FS Medizin Düsseldorf

enthielt folgenden Artikel zur Novellierung der Approbationsordnung:






Hallo, ich bin die Neue...

Nun endlich fertig, die neue Approbationsordnung

Jetzt wird schon seit über einem Jahr diskutiert, geändert, neu geschrieben und überhaupt. Und seit dem 27. Juni dieses Jahres ist unsere liebe neue Approbationsordnung dann doch eigentlich endlich fertig... und klar ist so gut wie nix. Ich werde mal probieren, die Fakten, die ich aus einem ungeheuren Wust raus gelesen habe, zusammenzufassen.

Erst mal, was fest steht:

Erklärtes Ziel ist es, die Ausbildung praxisnaher zu gestalten und den veränderten Bedingungen in Deutschland anzupassen (ist ja alles lobenswert; wie viel jedoch wirklich umgesetzt werden kann [wg. Geldmangel], steht in den Sternen).

Was bedeutet das jetzt konkret für Euch?

Für alle, die bis zum 30. April 2006 das Physikum in Angriff nehmen, gilt für diese Prüfung noch die alte Approbationsordnung.

Für diejenigen, die erst im nächsten Jahr ihr Studium aufnehmen, wird es schon eine geänderte Vorklinik geben, die mehr klinische Bezüge enthalten soll, ein verlängertes Pflegepraktikum von 3 Monaten verlangt und vor allem bereits ein Wahlfach enthält. Alle Institute werden verpflichtet sein, ein Wahlfach anzubieten. Die Leistungen in diesem Wahlfach werden benotet und diese Note auf dem Zeugnis des ehemaligen Physikums, daß sich dann "1. Abschnitt der ärztlichen Prüfung“ nennt, vermerkt. Auch die Prüfung selbst wird anders aussehen. Besonders gravierend sind die Veränderungen im mündlichen Teil: Hier gibt's nicht mehr wie bisher die Regel, daß man in zweien der vier großen Fächer geprüft wird, sondern jede/r muß sich mit Anatomie, Biochemie/Molekularbiologie (die stärkere Betonung der Molekularbiologie, die ja bisher eher ein Stiefkind war, ist auch neu) und Physiologie herumschlagen. Psychologie und Soziologie werden also nicht mehr mündlich geprüft werden. Außerdem ist interessant, daß dieser Prüfungsteil jetzt als "mündlich-praktischer" Teil bezeichnet wird. Das bedeutet, daß die Prüfungskommission dazu angehalten ist, dem Prüfling praktische Aufgaben vor dem eigentlichen Prüfungstermin zu stellen, die dieser dann im Vorfeld bearbeiten soll. In der Prüfung selbst sollen dann die Ergebnisse dieser Überlegungen entweder mündlich oder per bereits im Vorfeld verfaßtem Text dargelegt werden.

Insgesamt ist bei allen Abschnitten der neuen APO zu beobachten, daß für die Vorklinik zwar weiterhin die Vermittlung naturwissenschaftlicher und theoretischer Grundlagen obligat ist, jedoch sind sehr klare Forderungen enthalten, diese sowohl in der Lehre als auch in den Prüfungen immer in Verbindung mit klinischen Fragestellungen zu bringen.

Also Hoffnung auf eine nicht mehr ganz so theoretische Vorklinik?

Apropos Prüfungen: Für die beiden Staatsexamina gibt es eine neue Regelung, was das Bestehen betrifft. Man kann nicht mehr wie bisher eine 5 in einem Teil durch eine 2 in dem anderen ausgleichen, sondern es muß sowohl schriftlich als auch mündlich/praktisch mindestens ein 4 geschafft werden dafür muß aber bei Nichtbestehen des einen Teils auch nur dieser wiederholt werden. Man schlägt sich also, wenn man z.B. Pech im mündlichen hatte, auch nur noch einmal mit diesem herum und muß nicht auch das schriftliche noch einmal machen (gilt natürlich auch umgekehrt). Auch die Klinik soll ein weitestgehend neues Gesicht bekommen:

Die größte und bekannteste Änderung ist wohl das sogenannte Hammerexamen: Es gibt nicht mehr 3 Staatsexamina, sondern nur eines nach dem Praktischen Jahr. Dieses nennt sich "Zweiter Abschnitt der ärztlichen Prüfung" und besteht dann zum einen aus einem schriftlichen Abschnitt, der weiterhin MC-Fragen enthält, jedoch besonderen Wert auf fallbezogene, fächerübergreifende und problemorientierte Fragestellungen legen soll Dieser Teil dauert 3 Tage. Dann folgt irgend wann danach eine 2-tägige mündliche Prüfung mit Patientenvorstellung, die u. a. immer die Fächer enthält, die man im PJ absolviert hat.

Und wen erwischt es? Zuerst einmal alle, die bis zum 01.10.2003 ihr erstes Staatsexamen nach der alten Approbationsordung noch nicht bestanden haben! Diese machen das 1. Stex noch bis zum 01.10.2005 nach alter APO, statt zweites. und drittem Staatsexamen jedoch schon den neuen 2. Abschnitt der ärztlichen Prüfung. Die Note des ersten Staatsexamens geht dann zu 1/6 in die Endnote mit ein; das zweite Staatsexamen zählt dementsprechend 5/6.

Des weiteren müssen alle, die bis zum 01.10.2006 das alte zweite Staatsexamen noch nicht bestanden haben, das „Hammerexamen“ machen.

Doch nicht nur die Prüfungen ändern sich! Insgesamt soll in der gesamten Ausbildung eine stärkere Aufwertung der Praxis erreicht werden. So wird z.B. die Gruppengröße bei Patientendemonstrationen und Untersuchung von Patienten verkleinert, die Zahl der Unterrichtsstunden am Krankenbett ist jetzt festgelegt und es werden verbindlich Blockpraktika eingeführt, um die Universitäten zu zwingen, Lehrkräfte aus dem Klinikalltag freizustellen, die dann für diese Zeit ausschließlich mit der Betreuung der Studis beschäftigt sein sollen. Als Blockpraktika werden unter anderem Chirurgie, Innere und Kinderheilkunde abzuleisten sein.

Des weiteren wird es in Zukunft eine Unterscheidung zwischen Hauptfächern (die klassischen Fächer, die es bisher auch gab; z.B. Chirurgie, Innere, Kinder, MiBi, Gyn und andere) und Querschnittsfächern (z.B. Geschichte und Ethik, aber auch völlig neue Fächer wie Reha , Klinische und Pathologische Konferenz, Prävention und Gesundheitsförderung, Geriatrie und viele mehr) getroffen, Wie diese neuen Querschnittsfächer vermittelt werden, ist den Unis freigestellt (da werden in den Unterrichtskommissionen noch die Köpfe rauchen).

Außerdem ist zwischen Physikum und PJ ein Wahlfach abzuleisten. Welche Wahlfächer angeboten werden, hängt von den Schwerpunkten der jeweiligen Uni ab. Die Leistungen in diesem Wahlfach werden benotet und diese Note wird auf eurem Abschlußzeugnis vermerkt.

Apropos Leistungen: Es wird keine bloßen Sitzscheine mehr geben, sondern die Unis sind dazu verpflichtet, die Studenten in allen Fächern abschließend zu prüfen. Alle Leistungsnachweise sowie die Nachweise über die Beteiligung an den Blockpraktika werden benotet. Diese Noten erscheinen gesondert auf dem Zeugnis zum Zweiten Abschnitt der ärztlichen Prüfung.

Ebenfalls ist eine Aufwertung der Allgemeinmedizin beabsichtigt, so daß man z.B. auch einen Teil des PJ in einer Allgemeinarztpraxis absolvieren kann. Außerdem können jetzt bis zu 8 Wochen pro Tertial in ambulanten Einrichtungen (Ambulanz; Praxis, etc.) stattfinden.

Ein weiteres allgemeines (und wichtiges!!!!!!!!!) Novum ist, daß die Lehrveranstaltungen jetzt regelmäßig evaluiert und die Ergebnisse bekannt gegeben werden müssen. Hier ist jetzt also wesentlich weniger „Verstecken“ vor unbeliebten Veranstaltungen möglich. Bleibt nur zu hoffen, daß diese Möglichkeit, seine Meinung frei zu äußern dann auch rege genutzt wird!!!!!

Abschließend bleibt nur zu sagen, daß noch sehr, sehr viel nicht fertig ausgegoren ist . Das mag manchem Angst machen, bedeutet aber auch eine riesige Chance (und gleichzeitig Verantwortung) für uns. Jetzt haben wie die Möglichkeit, noch unsere eigenen Ideen und Vorschläge in die entsprechenden Gremien einzubringen und uns so für eine bessere Ausbildung an unserer Uni einzusetzen.

Wenn ihr mehr Infos wollt, gute Ideen oder einfach Lust habt, Euch über dieses Thema mit anderen die Köpfe zu zerbrechen, dann meldet Euch!!!!!!

Autorin: M. Röper






Für die Richtigkeit der Angaben kann keine Gewähr übernommen werden.



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Nu' ist sie da, die neue Approbationsordnung -
nähere Infos folgen...